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17.07.2006 Sächsische Zeitung
Nach der Klassik auch mal in die Disko
Tournee. Das Orchester „Europera“ mit jungen Musikern der Oberlausitz, aus Polen und Tschechien reist heute in die Schweiz.
Zwei Busse haben sich heute in Bewegung gesetzt. Das Jugendorchester „Europera“ fährt zum Auftritt in die Schweiz: 85 Musikschüler aus der Oberlausitz, Polen und Tschechien. Am Sonntag haben sie noch einmal im tschechischen Liberec geprobt: u.a. Mozarts Ouvertüre aus der „Hochzeit des Figaro“, Stücke aus Chatschaturjans „Spartakus“ und Griegs „Norwegische Tänze“. Das hatten sie aber schon vorher drauf.
Schließlich treffen sich die jungen Leute dreimal im Jahr in einem Probenlager, abwechselnd in ihren drei Heimatländern. Verständigung sei kein Problem, sagt Milos Krejci vom Görlitzer Theater, der das Orchester das zweite Jahr leitet. Tschechisch ist seine Muttersprache, Polnisch kann er ein bisschen: „Die verstehen schon, was ich meine.“ Das Nachwuchs-Ensemble gibt es bereits seit 1992, getragen wird es vom Euroregionalen Kulturzentrum St. Johannis in Zittau.
Nun folgen die jungen Musiker einer Einladung in die Schweiz, nach Davos. Dorthin hat der Niederschlesische Oberlausitzkreis seit einigen Jahren Kontakte. Bildende Künstler waren auch schon in Davos, haben mit Schweizern gezeichnet und gemalt und gegenseitig ihre Bilder ausgestellt.
Weitere Auftritte in Italien
Der eigentliche Anlass aber für die Reise der Musiker ist ein Festival in Florenz, wo sich junge Orchester vorstellen. Das Landratsamt in Niesky hatte dann gefragt, ob sich die Tour nach Italien mit der Schweiz verbinden lässt. Auch Zittau wünschte sich einen Auftritt in der italienischen Partnerstadt Pistoia. Dort wird am Sonnabend musiziert. Die Italiener wollen den Kindern und Jugendlichen auch den Ort zeigen. Das gefällt den jungen Leuten, weiß Krejci. Es gibt ihnen das Gefühl, dass sie ernst genommen werden. Und schließlich sollen die Schüler auf solchen Reisen genug Freizeit haben. „Natürlich organisieren wir für sie auch Diskotheken“, sagt der Chef. „Klar, das sind normale junge Leute.“
Aus Liebe Tschechisch gelernt
Zurück in die Heimat geht es nächste Woche Dienstag. Eine solche, längere Konzertreise unternehmen sie einmal im Jahr. Voriges Jahr waren sie in Frankreich.
Finanziert werden die Proben und Reisen mit Fördermitteln der Europäischen Union. Die Musikschüler erhalten kein Geld für ihre Auftritte. Zum Orchester kommen sie über die Musikschulen der Region. Einmal im Jahr können sie sich bewerben und vorspielen. Krejci spricht von Konkurrenz im positiven Sinne: „Wenn jemand schwächer ist, muss er sich bemühen, dass er im nächsten Jahr wieder mit dabei ist.“ Er schafft es, die jungen Leute zu begeistern. Jüngst sprach ihn eine Direktorin aus Liberec an. Da gab es ein Mädchen, das mit der Geige aufhören wollte. Nach dem Probenlager war sie nicht mehr wiederzuerkennen. Auch bei den Touren musizieren die Jugendlichen noch nach der Probe. „Keiner zwingt sie“, sagt Krejci. Abends sitzen sie zusammen am Feuer, singen und tanzen. Ein deutsches Mädchen hat extra für einen tschechischen Jungen seine Heimatsprache gelernt. Die Beziehung hielt nicht lange. Aber bei der Fremdsprache ist das Mädchen geblieben.
Silvia Stengel
WRÓCIÆ
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