Zwischen Monotonie und archaischer Kraft
Zwischen Monotonie und archaischer Kraft
Schlossfestspiele: Carl Orffs "Carmina Burana" und das Volksoratorium "Axion Esti" von Mikis Theodorakis
Von Äxten sang da einer. Von Äxten, die durch die Luft sausen, um die Büsten der Herrscher zu zerschmettern. Fast schien es, als würden sich die steinernen Gesichter der Skulpturen auf der Balustrade des fürstlichen Balkons zu einem spöttischen Grinsen verziehen. Nicht minder unbeeindruckt das Festivalpublikum. Denn eigentlich war man ja wegen "Carmina Burana" und des Feuerwerks gekommen.
O Fortuna! Muss das dem linken Kämpfer und Komponisten Mikis Theodorakis passieren: Sein "Axion Esti" im Schlosshof derer von Thurn und Taxis. In der Löwengrube von Besitz, Macht und Geld. Die launische Göttin Fortuna hat hier zusammengeführt, was nicht zusammen geht. Und das in jeder Hinsicht.
Welten dazwischen
Trotz archaischer Bilder und Sprache, nicht nur musikalisch liegen Welten zwischen Carl Orff und Mikis Theodorakis. Auch, was das Zielpublikum anbelangt. Auf sinnenfreudiges Liebeswerben vor edler Kulisse, umrahmt von Pomp, Glanz und Glitter eines Feuerwerks, darauf war man eingestellt.
Nicht jedoch auf das gesellschaftskritisch gefärbte "Back to the Roots" von Mikis Theodorakis - berühmt für Filmmusiken ("Alexis Sorbas") und sein links-sozialistisches Engagement -, der in seinem Volks-Oratorium "Axion Esti" (1960) für Soli, Chor und Orchester von griechischer Geschichte bis hin zu Befreiungskampf und Bürgerkrieg erzählt.
Sechzig Minuten musikalische Monotonie, wechselnd zwischen Lesung, liturgischen Hymnen und griechischem Volksgesang. Das nahm man bestenfalls geduldig als "Vorprogramm" in Kauf.
Entschädigt wurde man nach der Pause mit einer schlüssig-klaren "Carmina Burana", Carl Orffs mittelalterlicher Liedsammlung, deren Sinnenfreude und archaische Kraft bis heute faszinieren. Aufmerksam und gespannt verfolgte das Publikum den in effektvolle Farbspiele gehüllten Bilderreigen von Frühlingstreiben und Trinkgelagen bis hin zur höfischen Minne am "Court d'amour". Magische Bilder, an diesem Abend von den jungen, frischen Stimmen des "Europera-Jugendchors" gezeichnet. Wenn es hie und da an Einsatzsicherheit oder Durchschlagskraft mangelte, so zum Beispiel beim "Bibit ille, bibit illa"-Männerchor, dann machten das beeindruckend saubere, höhensichere Sopranstimmen wieder wett.
Orchester gut im Griff
Am Dirigentenpult stand Milos Krejcí, der das Jugendorchester recht gut im Griff hatte. Glanzlichter setzten ein höchst disziplinierter, tonreiner Kinderchor, eine bezaubernde Helena (Marie Fajtova), der stimmgewaltige Ulf Paulsen (Bariton) und Frank Ernst, der in seiner Rolle des gebratenen Schwans - eine herzzerreißende Lamento-Kantilene im hohen Falsett - stimmlich wie darstellerisch brillierte.
Und nicht zu vergessen: ein wahrlich beeindruckendes Feuerwerk, herrlich synchron zur Musik, welches das "O Fortuna"-Finale in eine alle Sinne erfassende Schluss-Apotheose verwandelte. Fortuna sei Dank für diesen gelungenen zweiten Teil.
