Überwältigender Gesang und magische Bilder
Im Schloss wurden die „Carmina Burana" als funkensprühendes Freilichtspektakel inszeniert. Auf Theodorakis reagierte das Publikum eher verhalten.
Zum Eingangs- und Schlusschor der „Carmina Burana" brannte über dem fürstlichen Schloss ein imposantes Feuerwerk ab.
Von gerhard Dietel, MZ
Regensburg. Carl Orffs „Carmina Burana" sind musikalisch eindrucksvoll genug, doch streng genommen entfalten sie im Konzertsaal nicht ihre ganze Wirkungskraft. „Cantiones profanae", also „weltliche Gesänge" sind sie nach dem Verständnis ihres Schöpfers, aber darüber hinaus auch „atque imaginibus magicis" aufzuführen: „mit magischen Bildern".
Dieser Anregung folgte die Aufführung oder besser Inszenierung der „Carmina Burana" bei den Schlossfestspielen auf vielfältige Weise: durch Farbwechsel der Beleuchtung, Tanzeinlagen auf dem Schlossbalkon oder im Proszenium, vor allem aber mit einem bravourös auf die Musik abgestimmten Feuerwerk bei Eingangs- und Schlusschor.
Engagiertes junges Orchester
Orffs „Rad der Fortuna" mutierte zu kreisenden Funkenrädern, während es vom Turm herab gespenstisch flackerte und hinter der Schlossfassade Raketen in den Himmel schnellten. Dass über diesem von Zischen und Knallen begleiteten Spektakel die Musik zeitweise in den Hintergrund gedrängt wurde - man nahm es in Kauf.
Die Leistungen der Musiker hätten allerdings auch für sich bestehen können. Sehr engagiert musizierten unter der Leitung von Milos Krejci „Europera"-Jugendorchester und -chor, ein völkerverbindendes Ensemble junger Musiker aus Deutschland, Polen und Tschechien. Dass die jungen Stimmen der Chormitglieder in den leisen Passagen zu wenig Tragfähigkeit besaßen, war zu verschmerzen. Dem konnte auch die Übertragungstechnik nicht gegensteuern, die vielleicht ohnehin ein wenig zu sehr den Instrumentalpart in den Vordergrund stellte.
In den Solopartien vermochten Marie Fajtová (Sopran) mit sinnlichen Tönen und Frank Ernst (Tenor) in der Rolle des im Falsett kläglich vor sich hin jammernden Schwans für sich einzunehmen; Ulf Paulsen (Bariton) verriet in der Wirtshaus-Szene komödiantisches Talent, klang aber sonst oft recht gepresst.
Allzu schwere griechische Kost
Die „Carmina Burana" waren der Höhepunkt des Abends; mancher begann da mit den Füssen mitzuwippen, wenn Orffs Musik zum Tanz „Uf dem Anger" einlud. Noch nicht so recht in Schwung kam das Publikum hingegen vor der Pause beim ihm weit unbekannteren „To Axion Esti" von Mikis Theodorakis. Vielleicht ist dieses epische griechische Nationalwerk, das auf der bildmächtigen Dichtung von Odysseas Elitis gründet, nicht so ganz die rechte leichte Kost für Freiluftaufführungen an warmen Sommerabenden? Zumal hier der Sprecher (Jan Baake) düstere Erinnerungen an Kriegszeiten wachrief, denen Ulf Paulsen als Cantorsänger psalmodierende Gesänge entgegensetzte.
Pulverdampfgeschwängerte Luft
Am leichtesten ins Gehör gingen noch jene Passagen der vielschichtigen Partitur, in denen die bekannte griechische Rebetiko-Musik hervortrat: mit Jannis Provatidis als Volkssänger, begleitet von Bouzouki und anderen Volksinstrumenten.
Mehr höflich war dann auch der Beifall nach Theodorakis‘ „To Axion Esti", anhaltenden Applaus spendete das Festspiel-Publikum dagegen am Schluss. Und bekam als Zugabe nochmals Orffs überwältigenden „O Fortuna"-Chor zu hören: diesmal frei von Feuerwerks-Zusatzgeräuschen, wenn auch dessen Pulverdampf noch spürbar in der Luft hing.
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Regensburg
