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Carl Orffs Carmina Burana als europäischer Konzerthöhepunkt

2009-02-16

Carl Orffs Carmina Burana als europäischer Konzerthöhepunkt

Junge Instrumentalisten und Sänger aus Polen, Tschechien und Deutschland sorgten für ein erstklassiges Erlebnis in der Lausitzhalle Hoyerswerda.
Mit dem Europera Jugendorchester und dem Europera Jugendchor gastierten am Freitag zwei Klangkörper in der Lausitzhalle, die Hoyerswerda als Kulturstadt erheblich aufwerteten. Leider waren nur 450 Besucher erschienen - was wohl mit daran lag, dass der Kulturkalender der Lausitzhalle das Konzert nicht verzeichnet hatte, sondern es kurzfristig ins Programm genommen worden war.

Mehrfach ausgezeichnet

Aber alle Gäste erlebten ein erstklassiges Konzert, dessen Wertung besonders darin zu sehen ist, dass es sich um junge Musiker und Sänger handelte, die diesen musikalisch sehr anspruchsvollen Abend unter der Stabführung des Dirigenten Miloš Krejčí gestalteten. Das hohe künstlerische Niveau und die musikalische Reife von Chor und Orchester wurden unter seiner Leitung in mehrjähringer Zusammenarbeit erreicht. Seit 2004 ist er der künstlerische Leiter des Europera Projektes. In einem Grußwort des Vorstandsvorsitzenden des Euroregionalen Kulturzentrums St. Johannis Zittau, Prof. Dr. Peter Dierich, heißt es, dass die beiden Klangkörper aus dem Kulturleben der grenznahen Regionen Polens, Tschechiens und Deutschlands nicht mehr wegzudenken sind und immer mehr Konzertfreunde die Aufführungen besuchen. Das Projekt wurde wiederholt mit Auszeichnungen bedacht, so mit dem Preis der Euroregion „Neiße 2008".
Im ersten Teil des Abends erklangen die „Akademische Fest-Ouvertüre" (op. 80) von Johannes Brahms, das „Konzert für Violine und Orchester in D-Dur" (op. 35) von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und „Meine Heimat" (op. 62) von Antonín Dvořák. Das Violinkonzert von Tschaikowski mit dem jungen Virtuosen Milan Al-Ashhab, Student am Konservatorium in Teplice, wurde zum Höhenpunkt der Darbietungen vor der Pause. Milan errang bei internationalen Wettbewerben in Tschechien und Polen bereits mehrfach erste Preise und überzeugte mit seinem an die Herzen der Besucher gehenden Musizieren auf einer Violine aus der Werkstatt des Geigenbaumeisters Jan Baptista Spidlen auch in der Lausitzhalle. Langanhaltender Beifall war für ihn der verdiente Lohn.
Im zweiten Teil erklang die 1937 uraufgeführte „Carmina Burana" von Carl Orff. Der Komponist vermied zu seinem Werk einst das Wort „Oper" ebenso wie den Begriff „Szenische Kantate" und sprach von „Weltlichen Gesängen für Soli und Chor mit Begleitung von Instrumenten und Bildern". Der Klangkörper vereinte nun 250 Mitwirkende auf der Bühne, die sich gemeinsam mit den Solisten einer sehr anspruchsvollen Aufgabe stellten und, das darf im Voraus gesagt werden, bravourös meisterten. Begrüßt wurden in der Lausitzhalle als Gesangsolisten Iveta Jiříková vom Nationaltheater Prag, Ulf Paulsen vom Anhaltinischen Theater Dessau und Frank Ernst vom Theater Görlitz.

Professionelle Präzision

Mit der Anrufung der Schicksalsgöttin Fortuna zogen die Musiker und Sänger vor dem symbolisch gestalteten Schicksalsrad im Hintergrund das Konzertpublikum sofort in ihren Bann.
Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Handlung wurde von Chor und Orchester in allen Faceten musikalisch und sängerisch hervorragend umgesetzt, mit einer Präzision, die die 14- is 18-jährigen Mitwirkenden in keiner Weise von professionellen Künstlern unterschied ließ. Das Lausitzhallen-Publikum bedankte sich für das überragende Konzert-Erlebnis mit über zehn Minuten langem Beifall, und die jungen Künster auf der Bühne ließen es sich nicht nehmen, einem Ausschnitt aus dem dritten Teil der Burana, den „Cour d´amours", als Zugabe noch einmal darzubieten.


Jost Schmidtchen (Sächsische Zeitung)

 

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