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17.4.1993 Sächsische Zeitung
Europera-Jugendorchester begeisterte beim Konzert in der Stadthalle
Görlitz – Das leider nur spärlich vertretene Publikum geizte am Freitagabend in der Stadthalle Görlitz nicht mit Applaus. Begeistert vom musikalischen Geschehen auf und vor der Bühne forderte es Zugaben – aber leider vergeblich. Die zurückliegenden zwei Stunden hatten den glücklich lächelnden Dirigenten Reinhard Seehafer ebenso geschlaucht, wie das von ihm souverän geführte Europera-Jugendorchester. Diese Premiere eines von der gemeinsamen erfahrung her blutjungen, ja neugeborenen Klangkörpers, übertraf alle Erwartungen. Es gab nur drei Tage Probenzeit bis zum Bühneauftritt, und niemand konnte bei solch schwer einstudierbaren Kompositionen ein so bewegendes und fast fehlerfreies Konzerterlebnis vermuten. Zwar ließ die erstaunlich ernsthafte Probendisziplin der Beteiligten – sogar „befohlene“ Pausen versuchte man zu ignorieren – einiges erahnen. Nun sind gerade Kinder und Jugendliche besonders vom Lampenfieber geprägt und so waren auch nach der gelungenen Generalprobe gewisse Abstriche für die Abendpremiere zu machen. Doch alles klang fast optimal und nur ein geschultes Ohr konnte heraushören, wo noch musikalische und gesangliche Reserven vorhanden sind.
In der Suite für Orchester „Colas Breugnon“ des Polen Tadeusz Baird und in der Sinfonie D dur des Tschechen František X. Brixi vergibt sich eine Notensprache, die zum Musizieren ermutigt, weil sie für das Verständnis eingängig ist, aber in der technischen Umsetzung auf dem Instrument einiges abverlangt. Wie die Ausführenden aus qualitativ unterschiedlichen Musikschulen der Euroregion damit umgingen und sich jederzeit am Taktstock orientieren, um keinen Einsatz zu verpassen, war bewundernswert und hörenswert zugleich. In der streichelnden und aufbegehrenden Klangfülle dominierender Streichinstrumente, konnte man seine Phantasie ausbreiten und wohltuenden Abstand gewinnen, zu einer uns bedrängenden Unterhaltungsszene, die mit Showeffekten und Power ihr Publikum beherrschen will.
Überzeugend fügte sich auch der klare, mit stimmlicher Improvisation befähigte Gesang des Liberecer Konderchores „Severacek“ ein. Diese Programmbereicherung fand in der abschließenden Chorfantasie op. 80 von Ludwig van Beethoven seinen Höhenpunkt. Orchester wie Chor suchten und fanden sich, nach nur einer Stellprobe und der Meister hättesicherlich Freude gehabt, an der in sich geschlossenen Wiedergabe seiner Komposition.
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